BFÜST-Erfahrungsaustausch in Tulln

BFÜST-Erfahrungsaustausch in Tulln

Im Rahmen der letzten BFÜST-Schulung am 11.11.2025 wurde der Entschluss gefasst, aufgrund der positiven Erfahrungen mit den Führungsstäben in Niederösterreich beim Hochwasser 2024 den gegenseitigen Austausch anzuregen. HBI Robert Kaufmann organisierte mit BR Dominik Rauscher, BFKSTV Tulln, eine Exkursion nach Tulln. Am Donnerstag 22. und Freitag 23. Jänner 2026 war es nun soweit. 

Der erste Stopp wurde im Niederösterreichischen Feuerwehr- und Sicherheitszentrum (FSZ) gemacht. Nach einem gemeinsamen Mittagessen präsentierte OBI Lukas Posch die Landeswarnzentrale Niederösterreich mit Sitz im FSZ. Als eine von 24 Bereichsalarmzentralen werden dort von zwei Disponenten sieben niederösterreichische Bezirke betreut. Im Gespräch mit den diensthabenden Feuerwehrkameraden konnten die Unterschiede sowie die Vor- und Nachteile zwischen dem tiroler und dem niederösterreichischen System thematisiert werden.

Landesführungsstab des LFV Niederösterreich

BR Markus Zahlbrecht ist einer von vier Kameraden, die die Funktion Chef des Stabes im Landesführungsstab (LFÜST) der niederösterreichischen Feuerwehren ausführen. Er berichtete über den Aufbau und die Organisation des Stabes sowie die Herausforderungen, vor denen sie bei vergangenen Ereignissen standen. Neben Schilderungen vom bisher umfangreichsten LFÜST-Einsatz beim Hochwasser 2024 wurden auch Erfahrungen bei der Betreuung von Feuerwehr-Auslandseinsätzen, z.B. in Mazedonien oder Frankreich, präsentiert.

Landesfeuerwehrkommandant-Stellvertreter LBDSTV Martin Boyer nutzte die Gelegenheit und bedankte sich für die geleistete Hilfe beim Hochwasser 2024: „Für die Bevölkerung war die Hilfe der Katastrophenzüge aus den anderen (Bundes-)Ländern ein wichtiges Signal in einer Zeit, wo sie teilweise vor dem Nichts standen. Die Aufarbeitung der Ereignisse läuft in Teilbereichen noch. Wir haben gesehen, wo wir nachschärfen müssen, um zukünftig auf solche Ereignisse noch besser reagieren zu können.“ berichtet  Boyer. Es bekräftigte den Zusammenhalt innerhalb der Organisation Feuerwehr über alle Grenzen hinweg und sicherte jede mögliche Unterstützung aus Niederösterreich zu, wenn Hilfe in anderen Bundesländern benötigt wird.

DI Stefan Kreuzer ist Leiter der Abteilung Feuerwehr und Zivilschutz beim Land Niederösterreich und ließ es sich ebenfalls nicht nehmen, die Delegation zu begrüßen und seinen persönlichen Dank für die Hilfe und die Initiative für den gegenseitigen Austausch auszusprechen. Kreuzer berichtete davon, wie er als junger Lawinenforscher in einem der ersten Erkundungshubschrauber beim Lawinenunglück 1999 in Galtür vor Ort war und die Erhebungen begleitete. „Mir ist die enge Verbindung zur Basis wichtig, um zu wissen, welche Auswirkungen die Entscheidungen auf Landesebene bei den Feuerwehren haben. Ich bin neben meiner beruflichen Tätigkeit auch selbst freiwillig als Feuerwehrmann tätig.“ beschrieb er seinen persönlichen Bezug zu den Einsatzorganisationen.  

Bezirksführungsstab BFV Tulln

Beim KHD-Einsatz Hochwasser NÖ 2024 waren Feuerwehren unseres Bezirks in Rust im Tullnerfeld, Bezirk Tulln im Einsatz. Das Vorauskommando bekam damals sowohl im LFÜST NÖ als auch im BFÜST Tulln ein gutes Lagebild und aktuelle Informationen samt Lagebildern zum anstehenden Einsatz. BFK OBR Christian Burkhart, BFKSTV BR Dominik Rauscher, Leiter des Verwaltungsdienstes VR Norbert Ganser, Chef des Stabes im BFV ABI Alexander Gutenthaler sowie der Kommandant der Feuerwehr Tulln-Stadt und gleichzeitig Leiter der Bereichsalarmzentrale, HBI DI Dr. Johannes Ofner, präsentierten u.a. den Aufbau des Bezirksführungsstabes sowie die Ereignisse rund um den Hochwassereinsatz. Von lustigen Anekdoten über ernste Einsatzlagen bis hin zu teils großen psychischen Belastungen für das Stabspersonal wurde ehrlich und wertschätzend über persönliche Eindrücke und Erfahrungen gesprochen. Auch die notwendigen Verbesserungen, um die Stabsarbeit leichter und effizienter zu gestalten, wurden thematisiert. Dabei konnte festgestellt werden, dass mit dem FWPortal in Tirol in den vergangenen Jahren (federführend von unserem Sachgebietsleiter IT OBM Mst. Mathias Fritz) ein digitales Tool geschaffen wurde, was österreichweit einzigartig ist. Es konnte keine Anforderung der niederösterreichischen Kameraden festgestellt werden, die unser System nicht schon erfüllt. Festgestellt wurde aber auch, dass alle Systeme, die in solchen Lagen verwendet wurden und werden, laufend beübt und geschult werden müssen, um den bestmöglichen Nutzen daraus ziehen zu können.

Als Dank für die Möglichkeit des Erfahrungsaustauschs, für die Organisation und die große Gastfreundschaft wurden durch BFK OBR Thomas Reiner und BFI Michael Neuner Präsente übergeben und auch die Tiroler Delegation bekam drei Flaschen des diesjährigen „Florianiweins“. Dieser wird jährlich neu vergeben und stammt jeweils von einem Winzer aus Niederösterreich, der selbst Feuerwehrmann sein muss.

Der kameradschaftliche Teil fand im Anschluss in Rust im Tullnerfeld statt. Dort, wo 2024 über 50 Einsatzkräfte aus den Bezirken Innsbruck und Innsbruck-Land halfen, kamen nun erneut das Kommando der Ortsfeuerwehr und die Tiroler Delegation zusammen. Auch der Bürgermeister Bernhard Heinl nahm sich dafür Zeit und berichtete nochmals über die herausfordernde Zeit während und nach der Katastrophe. Als Zeichen des Danks überreichte er mehrere Exemplare eines Buchs, das die Gemeinde nach dem Hochwasser veröffentlichte.

Vera 122 - Neues Feuerwehrverwaltungssystem

„Mit reden kemmen die Leit zamm“ – nach diesem Motto hat sich zufällig im Rahmen des Besuchs ergeben, dass interessierte Kameraden der Tiroler Delegation einen Einblick in das neue Feuerwehrverwaltungssystem VerA122 erhielten. Dieses wird das bisherige FDIS-Programm ablösen. ABI Ing. Stefan Vietze, MSc ist Abteilungsleiter Informationstechnologie und Alarmzentralen im LFV Niederösterreich und leitet die Entwicklung des neuen Programms.

Schwieriger Weg – Neustart war eine Chance
Aufgrund der Abhängigkeit von einem externen IT-Unternehmen und verschiedensten Anforderungen der beteiligten Organisationen wurde das Projekt FDISK 2.0 zwar gestartet, kam aber nie bei den Feuerwehren an. „Das wird uns bei VerA122 nicht passieren. Kurz nach meinem Amtsantritt wurde uns vom externen Unternehmen mitgeteilt, dass sie aufgrund personeller Veränderungen nicht mehr in der Entwicklung von FDISK 2.0 involviert sein können/wollen. Das war zwar zuerst eine Hiobsbotschaft, wir erkannten darin aber auch eine Chance – und haben sie genutzt. Die Programmierung wurde komplett zu uns verlagert, in Summe sind sieben Personen an der Programmierung beteiligt. Das ermöglicht es uns, unsere eigenen Erfahrungen und Bedürfnisse der täglichen Verwaltung in dieses System einfließen zu lassen. Im Lenkungsausschuss sind Funktionäre aller beteiligten (Landes-)Verbände vertreten und werden monatlich über den aktuellen Stand informiert. Wichtig ist uns, ein System zur Verfügung zu stellen, das auf die Bedürfnisse der Feuerwehren abgestimmt ist. Es sollen keine Daten doppelt eingegeben werden müssen, die ohnehin schon vorhanden sind. So sollen beispielsweise Datensätze aus dem Einsatzleitsystem der Leitstelle automatisch in einen Bericht übernommen werden. Auch Personen- und Adressdaten werden über Schnittstellen abgeglichen und müssen nicht manuell eingegeben werden.“ berichtet Vietze über die Herangehensweise, mit der nun endlich ein zeitgemäßes Verwaltungssystem entwickelt werden soll.

Mobile App ermöglicht einfache Datenverwaltung durch das Mitglied
In Entwicklung ist auch eine App-Version des Programms, wo jedes Mitglied eine persönliche Übersicht hat und auch die eigenen Daten pflegen kann. „Wir müssen ein System bieten, das so einfach und nutzerfreundlich wie möglich ist, aber dennoch alle Anforderungen an eine moderne Organisationsverwaltung erfüllt. Die Umstellung wird schrittweise erfolgen, es werden aber keine Daten doppelt (FDIS und VerA122) geführt werden müssen. Es wäre, speziell im Hinblick auf die Erfahrungen mit FDISK 2.0, unseriös ein fixes Datum für die Implementierung zu geben, aber die Feuerwehren werden jedenfalls 2026 noch von uns hören…“, gibt der Abteilungsleiter einen ungefähren Zeithorizont für die Einführung des Systems.

Die anwesenden Mitglieder berichteten abschließend von guten Ideen und den richtigen Ansätzen, die bei der Neugestaltung verfolgt werden. „Das lässt uns positiv und gespannt auf das Ergebnis warten. Da sind gute Leute beteiligt, das wird was!“ resümierten sie.

Der Bezirksfeuerwehrverband Innsbruck-Land bedankt sich sehr herzlich bei allen Beteiligten Kameraden für die große Gastfreundschaft und die offenen Gespräche. Vielfach gibt es unterschiedliche Rahmenbedingungen,  Herangehensweisen und ja, auch Bekleidungen. Wenn es aber um die Sache geht, sind wir alle gleich – und deshalb können wir vom gegenseitigen Austausch alle nur profitieren.

Die Zukunft braucht ein starkes WIR

Bericht: BV Thomas Tanzer
Bilder: BV Senat Huter und BV Thomas Tanzer

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